Was beeinflusst eigentlich die Bauzinsen?

Was beeinflusst eigentlich die Bauzinsen?

Die Zinsen für Hypothekendarlehen haben sich in den vergangenen Jahren sehr zum Vorteil von Bauherren und Immobilienkäufern entwickelt. 2012 war das Jahr mit den bislang tiefsten Bauzinsen überhaupt. Auch aktuell befinden sich die Zinssätze weiterhin auf niedrigem Niveau. Aber wovon hängt die Entwicklung der Zinsen für Immobilienkredite eigentlich ab?

Den größten Einfluss auf die Höhe der Bauzinsen, die jede Bank individuell für die verschiedenen Laufzeiten von Hypothekendarlehen festlegt, hat der Leitzinssatz der Europäischen Zentralbank (EZB). Dabei handelt es sich um den Zinssatz, zu dem sich Banken selbst bei der Zentralbank Geld leihen können. Der Leitzinssatz stellt am Geldmarkt eine Art Referenzzinssatz dar. Banken richten sich bei der Festlegung der Zinsen für ihre Produkte danach. Während sich Kreditnehmer wie Bauherren in Niedrigzinsphasen über eine günstige Finanzierung freuen können, führt ein geringer Leitzinssatz sehr zum Leidwesen von Sparern auch zu geringen Zinsen für Geldanlagen wie Tages- oder Festgeld.

Die Entwicklung des Leitzinssatzes wiederum hängt von zwei Faktoren ab: von der wirtschaftlichen Lage und der Höhe der Inflationsrate. Droht eine Rezession oder steht die konjunkturelle Erholung auf wackligen Beinen, senkt die EZB in der Regel den Leitzinssatz, um die Kreditvergabe anzukurbeln und der Wirtschaft günstige Kredite für dringende Investitionen zu ermöglichen. Zieht die Konjunktur an, hebt die EZB den Leitzins meist wieder an. Eine Erhöhung droht aber auch, wenn die Inflationsrate ansteigt und die von der EZB geduldete Schwelle von zwei Prozent überschreitet. Mit einer Leitzinserhöhung dämpfen die Währungshüter dann die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, was wiederum den Preisauftrieb stoppt. Während sich Sparer in der Folge über höhere Zinsen freuen können, müssen Bauherren oder Immobilienkäufer für die Finanzierung ihrer Wunschimmobilie tiefer in die Tasche greifen.

Die Bauzinsen können aber auch anziehen, obwohl der Leitzinssatz unverändert niedrig bleibt. Zu dieser Entwicklung kam es in den vergangenen Monaten. Eine Erklärung dafür lautet, dass die Banken eine Immobilienblase in Deutschland verhindern möchten und daher die Bauzinsen erhöhen. Tatsächlich sind die Preise für Immobilien vor allem in den Metropolregionen zuletzt stark gestiegen. Die Banken befürchten offenbar, dass ihre Kunden bei sehr niedrigen Bauzinsen die Lage als zu optimistisch einschätzen und den Immobilienboom weiter anheizen könnten – und erhöhen daher allmählich die Bauzinsen. Für diese Theorie spricht auch eine aktuelle Studie der Bundesbank zu diesem Thema, die zu der Empfehlung gelangt, Kunden den Zugang zu Darlehen „deutlich zu erschweren“. Andere Erklärungsansätze sehen in den gestiegenen Eigenkapitalanforderungen und den zur Rückzahlung anstehenden EZB-Hilfen den Hauptgrund dafür, dass Banken weniger Mittel für die Darlehensvergabe zur Verfügung stellen können und daher die Zinssätze anheben.

Was auch immer der Grund für möglicherweise weiter steigende Bauzinsen ist: Wer weiß, dass er in absehbarer Zeit einen Immobilienkredit benötigt, kann mit einem sogenannten Forward-Darlehen noch auf dem derzeitigen Zinsniveau bereits die zukünftige Finanzierung beantragen. Zwar liegen die dafür vereinbarten Zinsen in der Regel leicht über dem aktuellen Zinssatz– dafür womöglich aber deutlich unter dem Zinssatz, der zum Zeitpunkt der Auszahlung des Kredits gilt.

2 Antworten auf Was beeinflusst eigentlich die Bauzinsen?

  1. Jetzt, wo die EZB den Leitzins erneut gesenkt hat, bleiben auch die Bauzinsen wahrscheinlich noch eine ganze Weile niedrig. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem ein Forward-Darlehen tatsächlich Sinn macht.

  2. Nun, ca. drei Monate nach Erscheinen dieses Artikels sehen wir, dass die Bauzinsen, trotz Senkung des Leitzinses, tatsächlich weiter angestiegen sind. Der Tipp, sich ein Forward-Darlehen zu sichern, war also alles andere als verkehrt.
    Und ist es wohl noch immer nicht, denn das Zinsniveau ist, im Vergleich zu den letzten Jahren, momentan weiterhin als sehr günstig einzustufen.
    Das der Zins in nächster Zeit wieder auf den Tiefststand von vor einigen Monaten sinkt, erscheint aktuell eher unwahrscheinlich.

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